Ein Interview mit Ludwig Wittgenstein

Herr Prof. Dr. Wittgenstein, vielen Dank, dass Sie sich auf ein Interview mit mir eingelassen haben. Es ist ja nicht jeden Tag der Fall, dass ich eine so berühmte Persönlichkeit interviewen darf.

Die Welt ist alles, was der Fall ist.

Könnten Sie das bitte näher erläutern?

Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.

Was ist das Wesentliche daran?

Es ist dem Ding wesentlich, der Bestandteil eines Sachverhaltes sein zu können.

Wie kann man über einen Gegenstand, einen Sachverhalt schreiben, der sich nur schwer in Worte fassen lässt?

Der Gegenstand ist einfach.

Das kann ich nachvollziehen. Aber der Gegenstand, den ich beschreibe, muss doch etwas Substanzielles haben?

Die Substanz ist das, was unabhängig von dem was der Fall ist, besteht.

Gut. Können Sie das etwas konkreter ausdrücken, bezogen auf das Schaffen eines Textes?

Sie ist Form und Inhalt.

Das leuchtet mir ein. Ist ja logisch.

Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke.

Da stimme ich Ihnen gerne zu. Meine Aufgabe ist es, Gedanken in Worte zu verwandeln.

Im Satz drückt sich der Gedanke sinnlich wahrnehmbar aus.

Wie lässt sich diese Aussage verstehen?

Einen Satz verstehen, heißt, wissen was der Fall ist, wenn er wahr ist.

Gut, vielleicht können wir über die Sprache und ihre Bedeutung reden. Ist das überhaupt möglich?

Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Alle „Antworten“ aus: Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus.

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